Georg Mahr
communication studies in vienna
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Google Chrome OS - Kanalisierung des Bösen?
Ausgehend von Gerald Reischls sonntäglichem Login und seinem Kommentar im Kurier zu Google möchte ich ein paar Worte loswerden.
Google plant für 2010 ein eigenes Betriebssystem, namentlich Chrome OS. Seine Hauptfunktion soll darin bestehen, den User so schnell wie in keinem anderen Betriebssystem ins Internet zu bringen. Full Stop. Das ist die Schlüsselintention, die dahinter steckt.
Reischl schreibt in seinem Kommentar:
Ab 2010 wird es ein Betriebssystem "Google Chrome OS" geben, was eine Kriegserklärung an Microsoft ist. Man attackiert den schärfsten Konkurrenten dort, wo er am erfolgreichsten war.
Nein! Es ist keine Kriegserklärung, Google will mit Chrome OS nicht Windows ersetzen. Ich glaube, dass Google eine Vorreiterrolle einnehmen will und Ideen dazu geben will, wie man den User so schnell und so lange wie möglich ins Web bringen will. Und warum ist das die Schlüsselintention?
Ben Parr schreibt auf Mashable, warum Chrome OS entwickelt wird und wie Google damit in Zukunft noch mehr Geld verdienen kann. Derzeit verdient der Suchmaschinenanbieter etwa 95% seiner Einnahmen mit Werbung.
Getting you to spend more time on the web is why Google based its OS on Chrome. You can expect that Microsoft and Apple will incorporate the best features of Chrome OS in their future iterations.
Das ist der Punkt. Ich denke nicht, dass Google (zum jetzigen Zeitpunkt) alles daran setzen wird, bestehende Anbieter zu verdrängen und das gängigste Betriebssystem zu entwickeln. Viel mehr geht es darum, die "Konkurrenten" unter Druck zu setzen und sie dazu zu bringen den Fokus der Entwicklung eher auf webbasierte Lösungen anstatt Desktoplösungen zu setzen. Ein User, der sich am Desktop in MS Office befindet bringt Google kein Geld, so einfach ist das.
Sich darüber zu beklagen, dass Google mit uns Geld verdient, Daten sammelt etc. wäre verfehlt. In Zeiten, in denen wir in Supermärkten bei jedem Einkauf unsere Kundenkarten vorweisen, den Firmen brav unsere Daten überreichen, daraufhin personalisierte Werbung nach Hause geschickt bekommen, muss uns klar sein, dass auch andere Firmen nach dem selben Schema Geld verdienen wollen.
Ehrlich gesagt stehe ich von Userseite aus Supermärkten oder kleinen Handelsketten, die Kundenkarten anbieten und planmäßig ihre Mitarbeiter bespitzeln skeptischer gegenüber als Google. Wer weiß wohin meine Daten von kleinen Handelsketten verkauft werden. Um nicht in paranoider Angst vor Schädigungen zu leben, muss ich Vertrauen in die Big Player des Webs haben. Manche mögen das blauäugig finden, ich kann sie verstehen. Aber die Dienste nutzt dennoch jeder von uns.
In einem Punkt liege ich mich mit Gerald Reischl allerdings auf einer Linie, Google müsste strenger kontrolliert oder reguliert werden. Hierbei wären supranationale Organisationen, wie es beispielsweise die EU ist, gefragt. Dass diese von Google Lobbyisten durchzogen ist und sich hierbei wohl eher als Handlanger des Suchmaschinenanbieters benimmt gibt allerdings zu Denken.
Gerald Reischls Schlusssatz
Google muss zerschlagen werden.
lässt ihn jedoch eher zu einer Art Armin Thurnher 2.0 werden.
