Der Fall JAKO

Nein es geht diesmal nicht um den Mordfall Jacko. Es geht um den deutschen Sportartikelhersteller JAKO

Die heutige Topstory in deutschsprachigen Twitterkreisen war die Abmahnung von Frank Baade. Er ist Betreiber des bekannten deutschen Fußballblogs Trainer Baade.  Kurz umrissen geht's darum, dass Trainer Baade am Blog das neue Design der Firma JAKO verschaukelt hat. Da sich in Deutschland mittlerweile eine regelrechte Abmahnkultur gebildet hat, wollte das die Anwaltskanzlei des Sportartikelherstellers natürlich nicht stehen lassen und mahnte Trainer Baade ab. Als wenn das alleine nicht schon schlimm genug wäre und einen Blogger mitunter die Existenz kosten könnte - ich als Student wäre bei einem zu zahlenden Streitwert von über 1.500€ schon in ziemlicher Bedrängnis - wurde der Blogger nach dem Auftauchen seines Blogeintrages beim Newsaggregator Newstin ein weiteres Mal abgemahnt. Dass auf dem Newsaggregator jederzeit, auch ohne Zutun des Bloggers, seine Geschichten wieder auftauchen können, macht diese zweite Abmahnwelle zu einer echten Groteske. Die genaue Story steht auf allesaussersport.de ausgezeichnet beschrieben.

Nachdem im Laufe des Tages der Blogeintrag im Social Web verbreitet wurde, passierten auf Twitter einige erwähnenswerte Dinge:

Ein besonders humorvoller Twitteruser dürfte am frühen Mittag den Account @JAKO_Sport erstellt haben, über den er Leute mit einem Reply "Und Dich mahn ich ab" und dem Link zum allesaussersport.de Blog bedachte. Der Account war nicht von langer Dauer, einen Screenshot könnt ihr aber unten einsehen (Bild 1). 

Ein findigerer Twitteruser hat später den Account @JAKO_de ins Leben gerufen und versucht, sich mit vermeintlich seriösen Tweets als unbeholfener JAKO Marketingmitarbeiter auszugeben. Die ersten zwei Tweets (Bild 2) hätten den ein oder anderen schon von Beginn an darauf bringen können, dass dieser Account nur ein Fake ist. Hätte ich ein bisschen früher dazu gebloggt, wäre ich vielleicht noch vor diesem Tweet gewesen, jetzt ist das ein bisschen weniger unterhaltsam:

@JAKO_de twittert um kurz nach 18:00 Uhr:
Glückwunsch an 50% der Follower, die uns als Fake erkannt haben. Der Rest: tja. mhm. naja.#hättmanmerkenkönnen

Passend zum ersten Twitteraccount dieser Tweet:

@coltnb twitterte zum ersten Accountl:
Pssst.. Er ist auf Twitter! Ich trau mich den Namen des Sportartikelherstellers mit den 4 Buchstaben ja gar nicht mehr zu schreiben.

Wer sich noch weitere Wortspenden auf Twitter zum Thema #JAKO ansehen möchte, muss nur diesem Link zur Twitter-Suche folgen. 

Der Schaden für das Image der Firma JAKO, bzw. die Marke JAKO ist durch diese ungustiöse Angelegenheit wohl vielfach höher ausgefallen, als es der Blogeintrag von Trainer Baade alleine jemals geschafft hätte. Die Situation in Deutschland rund um Abmahnungen und deren Wirkung ist mittlerweile zu einem bedrohlichen Ausmaß für Hobbyblogger geworden. Was Abmahnungen sind, was ihr Zweck sein sollte und wie sich übereifrige Anwälte damit bereichern können, ist hier nachzulesen. Ich bin dafür, diesen Abmahnungen einen Riegel vorzuschieben, indem man die einforderbare Summe auf ein Minimum reduziert und dem Ziel der Abmahnung zumindest die Möglichkeit einer Reaktion einräumt. So könnte man einem Wildwuchs von Abmahnungen vorbeugen.

In Deutschland kann man als Firma einen säumigen Schuldner ja auch nicht sofort an ein Inkasso weiterreichen. Hier sind per Gesetz ebenfalls zwei Mahnungen (oder Zahlungserinnerung + Mahnung) vorgeschrieben. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ein friedlicher Dialog zwischen der Presseabteilung von JAKO und Trainer Baade zu weitaus weniger Trubel geführt hätte, als die Abmahnorgie der Anwaltskanzlei verursacht hat. Die derzeitige Situation kann nie und nimmer im Interesse von JAKO sein.

Negative PR ist besser als keine PR heißt es in den Gedärmen des Phrasenschweins. In diesem Fall ist das allerdings absoluter Mist. Ein Konzern mit 60 Millionen Euro Jahresumsatz hat es wohl nicht nötig einem Blogger Abmahnstrafen von mehreren Tausend Euro zuzumuten. 

In Österreich arbeitet seit kurzem der Fußballverein SK Sturm Graz mit JAKO zusammen. Mich würde deren Meinung zu dieser Misere brennend interessieren. Der Fanblog sturm12.at hat diese Abmahnorgie auf Facebook ja schon für traurig befunden.

   
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Europa League Playoff - Austria 3

SK Rapid Wien, FK Austria Wien & SK Sturm Graz kämpfen im neu eingeführten Playoff um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League, die jedem Teilnehmer eine Antrittsprämie von 600.000 € garantiert. Ich möchte in aller Kürze loswerden, was mir nach den drei Spielen durch den Kopf geht.

Metallurg Donetsk - FK Austria Wien 2-2

Die zwei Auswärtstore der Austria sind schon mal viel wert. Vor der Partie hätte doch auch niemand an einen Auswärtssieg gedacht. Die Chance war da aber wenn man das Nachtrauern beiseite lässt, ist das immer noch ein Spitzenergebnis. Mit der kräftigen Unterstützung der Fans im Rücken wird es nächste Woche im Horrstadion für die Austria zwar kein Spaziergang aber sicher auch kein unmögliches Unterfangen.

SK Rapid Wien - Aston Villa 1-0

Mit dem Blitzschlag durch Jelavic in der ersten Spielminute, aufgelegt durch den überragenden Drazan, hat Rapid heute wohl die Überraschung des Tages geliefert. Rapid erinnerte an Europacupfights in den 90ern. Die Aufstellungen von beiden Teams haben mich zu Beginn sehr überrascht. Drazan wird wohl bald einen Vorvertrag bei einem Topverein bekommen - wie der spielt .. Heute war zwar nichts mit Ääägggbonnlawhooore-Torjubel aber im Villa Park wird es sicher ein heißer Tanz zwischen den beiden Klubs. 

SK Sturm Graz - Metalist Kharkov 1-1

Sturm merkte man die mangelnde Routine an. ORF-Saubach hat's angesprochen: Die goldenen CL Jahre von Sturm wurden mit einer Mannschaft erreicht, die einen 30er Altersschnitt hatte. Insofern ist Jugend forscht in Graz heute gut dabei gewesen. Mal abwarten, was die auswärts zeigen. Der Gang ins Ausland wird ähnlich schwierig wie für die Grün-Weißen aus Hütteldorf.

Auf jeden Fall ein toller Europacupabend der für den gestrigen Ausfall der Salzburger auf jeden Fall entschädigt hat..

Laola1.at und die Eier

Auf Laola1.at, dem besten Sport in Österreich, wird derzeit ausführlich über die IAAF 2009 in Berlin berichtet. Die südafrikanische 800-Meter-Läuferin Caster Semenya hat dieser Tage auch abseits des Leichtathletiksports zu tun. Auf Grund ihrer unerwarteten Leistungen und ihres männlichen Auftretens muss sie jetzt zum Geschlechtstest antreten.

Ungeachtet der eigentlichen Nachricht beglückt Laola1.at den geneigten Leser dieser Geschichte mit der Überschrift "Sind da Eier in der Hose?". Die ist jedoch nur auf der Startseite zu lesen (siehe Bild). Im Artikel selbst wurde die Überschrift bereits ganz neutral auf "Geschlechtstest für 800-m-Läuferin" umgeändert. Da hat wohl ein Nachwuchskabarettist etwas vergessen..

Österreich bleibt Österreich

Es begann im Web. Und das denkbar ungünstig. Zuerst wurde der Twitteraccount von @DidiConstantini als Fake entlarvt und dann brachte der einzige Nationalspieler auf Twitter auch noch diesen Tweet. Von wegen Rumble in the Jungle. "Gerumblet" hat's wenig später schon. Allerdings nur in Österreichs Tor. 

12 Minuten waren gespielt, da pfiff der Schiedsrichter Elfmeter für Österreich. Captain Scharner trat an und versagte kläglich. Ich gehe davon aus, dass Mentalist Valentin Hobel ihn wieder auf die Beine bringen wird. Also weitere Schäden in Scharners Psyche wird dieser Strafstoß wohl nicht verursacht haben. Allerdings hinterließ diese Aktion einen nachhaltigen Eindruck in der ÖFB Jugendgang (Durchschnittsalter der Startformation 24 Jahre..!). 

Das erste Tor im Spiel fiel für Kamerun. Vier Österreicher machten jeweils ein 1/4 Geschenk. Ergab also ein Ganzes. 1-0 nach 28 Minuten. Webo nahm das Geschenk der Hintermannschaft Österreichs und vor allem den Ausrutscher von Manuel Ortlechner dankend an. @Ortlechner sucht wohl noch immer nach passendem Schuhwerk.

Das 2-0 möchte ich gar nicht kommentieren. Da war ich nämlich am Klo. Also passender Ort zum Spiel eigentlich. 

Fazit aus der Partie:

  • Janko und Hoffer harmonieren immer noch nicht.
  • Macho hätte sich einen Verein verdient, bei dem er spielen kann.
  • In Kärnten gibt es ein wunderschönes Stadion, dessen gemietete Teile bereits jetzt mehr kosten, als wenn man sie gekauft hätte. (Rückbau daher kaufmännisch undenkbar).
  • ORF's Kommentator Thomas König wird wohl bald eine Klage von LH Dörrler.. äh Dörfler im Postkasten haben.
  • Maierhofer ist auch nicht die Erlösung.
  • Freundschaftsspiele sind immer noch nichts für Österreich.
  • Prohaska vor'm Spiel: Österreich ist leichter Favorit.
  • Prohaska nach'm Spiel: Wir müssen glücklich sein,  nicht noch höher verloren zu haben.
  • Bester Österreicher am Platz: Salzburgs Somen Tchoyi..

Bitte! Danke!

Gedanken zum Fußball: Rapid ist nicht Mattersburg

2:1 - Sieg für Mattersburg. Was aussieht, wie ein knappes Ergebnis eines ansehnlichen Fußballspiels am Sonntagabend war vielmehr ein weiteres Beispiel dafür wie weit Anspruch und Wirklichkeit in Österreichs Fußballrealität auseinanderliegen können. 


Rapid blieb aus der letzten Saison als ein Team in Erinnerung, das mit begeisterndem Offensiv- und One-Touch-Fußball zu überzeugen wusste. Rapid spielte attraktiven Fußball. Wie man gegen so eine Fußballmannschaft dennoch gewinnen kann zeigte an diesem Sonntagabend der vermeintliche Abstiegskandidat Mattersburg.

Insgesamt 13 gelbe Karten für beide Mannschaften und zwei Ampelkarten exklusiv für Rapids Pehlivan und Maierhofer sind laut ORF Sportmoderator Michael Berger Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen des ORFs über die Bundesliga. Schiedsrichter Meßner hatte die Partie trotz seiner Kartenorgie zu keinem Zeitpunkt wirklich im Griff. Das immer wieder als "Brüderduell" bezeichnete Kräftemessen zwischen Rapid und Mattersburg kommt am ehesten noch der Rivalität zwischen Romulus und Remus nahe. 

Hüben wie drüben wird jetzt darüber gerätselt wie es zu diesem inflationären Kartongebrauch kommen konnte. Die Burgnlandla, immer schon selbsternannte Opfer der österreichischen Schiedsrichter, ziehen seit Jahren ihr Spiel in der pannonischen Tiefebene immer nach dem selben Schema auf. Attackieren, Provozieren, Kämpfen. Solange und soviel nur geht. Im Kader finden sich talentierte Krätzn wie Atan, Mörz, Naumoski (derzeit nur Trainingsgast) oder bis zuletzt Kühbauer (in Fußballpension). Lässt sich der Gegner auf dieses Spiel ein geht Mattersburgs Rechnung auf und die Falle schnappt zu. Kommt daher eine eigentlich für ihr flottes, attraktives Spiel bekannte Rapidmannschaft nach Mattersburg ist klar, dass sie nicht auf spielerischem Wege bezwungen werden kann. Wenn Steffen Hofmann gefühlte 20 Mal abgeklopft wird und nicht ein einziges Mal ein Revanchefoul begeht ist ihm das hoch anzurechnen. Dass er allerdings der einzige Rapidler ist der sich im Griff hat erklärt die sieben Verwarnungen zwei Platzverweise und zwangsläufig die Niederlage für Rapid. 

Der Fehler den Rapid heute gemacht hat war Mattersburg auf Augenhöhe begegnen zu wollen. Während jeder Mattersburger weiß, wann genug provoziert wurde und wann man den Fuß dann doch einmal zurückziehen sollte, schlugen der junge Pehlivan und der heute durchgeknallte Stefan Maierhofer weit über die Stränge. Rapid besiegte sich heute selbst, indem sie vergaßen sich auf ihre eigenen Tugenden zu besinnen. Keine Spur von Laufarbeit, Teamwork und Einsatz füreinander

Das Postlerduell zwischen Lederer und Pacult entschied heute der Trainer von Mattersburg. Nicht durch einen qualitativeren Kader sondern durch intelligentere Spielanlage. Gegen Real Madrid kann man schließlich auch nicht Hollywood spielen.